7. "Gemeindeentwicklung durch missionarische Impulse"

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Experiment:

Dreißig Mitarbeiter/innen der Erzdiözese Salzburg führen im Rahmen einer Kontaktwoche in den Pfarren des Dekanates Saalfelden ca. hundert Veranstaltungen und Begegnungen unter dem Motto "Pinzgau:Kirche. Du bist nicht egal" durch.

Die Dekanatskonferenz Saalfelden unter der Leitung von Dechant Roland Rasser entscheidet sich für eine Kontaktwoche des Seelsorgeamtes und der Katholischen Aktion, um die Vernetzung zwischen den Mitarbeiter/innen von zentralen Einrichtungen und den dreizehn sehr unterschiedlichen Pfarr­gemeinden des Dekanates zu fördern. In der Erarbeitung des Programms war es notwendig, das eigene Pfarrprofil zu bedenken, zu überlegen, was die Pfarre braucht, welche Kompetenzen von zentralen Einrichtungen für die Pfarre sinnvoll genutzt werden können.

Ca. 30 Mitarbeiter/innen der Erzdiözese, die auch so weit als möglich in einem Gasthaus in Saalfelden einquartiert waren, führten die verschiedenen Veran­staltungen durch: Vorträge zu aktuellen Themen wie z.B. in einem Ort, in dem es ein Jahr vorher mehrere jugendliche Verkehrstote gab: "Es ist nicht egal, wie das Leben endet. Der Glaube an die Auferstehung und das ewige Leben."; offene Gesprächsabende in Gasthäusern; Sprechstunden; Beichtgelegen­heiten; Treffen von Mitarbeiter/innen z.B. der Messner/innen des Dekanates mit dem Umweltreferenten; Betriebsbesuch; Väterkochen; Kontakte im öffentli­chen Raum durch die Aufstellung von Bibeltafeln oder durch die Einladung, sich "mit Jesus fotografieren" zu lassen. Ein Höhepunkt war ein Treffen mit Einsatzkräften zum Thema: "Es ist nicht egal, wie es dir mit Schicksals­schlägen anderer geht." Pfarrgemeinderäte aus vier Pfarren überlegten und planten Koordinationsmöglichkeiten. Besuchsdienste trafen sich mit der ent­sprechenden Fachreferentin zum Austausch und zur Ermutigung. Wo sich vor Ort Menschen engagiert haben, konnte viel umgesetzt werden. Bei Halb­herzigkeit und Unwille von Personen vor Ort konnten die Mitarbeiter/innen aus den zentralen Einrichtungen nicht viele Impulse setzen, dann wurden die Ver­anstaltungen bloß absolviert.

Geprägt war die Woche auch durch den Austausch der Mitarbeiter/innen unter­einander. Der Teamgeist ist dadurch gewachsen. Sie erlebten konkrete Zuge­hörigkeit zur "Firma". Theologiestudierende bereicherten das Team. Ihrerseits konnten sie in konkrete Zusammenhänge der Erzdiözese hineinschnuppern.

 

Gemeindebilder, die dieses Experiment Kontaktwoche "Pinzgau:Kirche. Du bist nicht egal" prägten:

In diesem Experiment wurde versucht, Mission als Dialog zu verstehen. Die grundsätzlich partnerschaftliche Ausrichtung zeigt sich in der gemeinsamen Entwicklung des Programms und in der Lernbereitschaft auf beiden Seiten. Mission ist hier auf die gesamte Lebenswirklichkeit der Wirtschaft, der Bildung, des sozialen Engagements und der Kultur ausgerichtet. Jeder Christ und jede Christin ist in der eigenen Missionskompetenz angesprochen. Dabei geht es um eine wertschätzende Mission. Entscheidend ist also die Haltung des Wohlwollens gegenüber den Menschen. Als Trägerin der Mission wird also wesentlich die Pfarre gesehen. Man ist einander Hilfe und schenkt partnerschaftliche Ermutigung. Die Gemeinde wird also in ihrer Subjekthaftigkeit ernst genommen und gestützt. So kann auch dieses Experiment nicht eins zu eins in andere Dekanate übertragen werden. Es muss das Programm je neu entwickelt werden.

 

Chancen, die in diesem Experiment Kontaktwoche stecken:

  • Die Kirche hat einen Missionsauftrag auch in unserer Zeit. Dieses Experiment ist eine Form der Verwirklichung dieses Auftrags. Mission ist hier eingebettet in Mitleben, Sich-Einbringen, Leben deuten helfen und die Erfahrung von Gastfreundschaft.
  • Durch den Anstoß von außen wird die Pfarre ermutigt, über ihr eigenes Profil nachzudenken, eigene Stärken zu entdecken, aber auch zu sehen, was für das Leben der Pfarre und die Gläubigen in der Pfarre notwendig ist.
  • Die Mitarbeiter/innen der zentralen Einrichtungen lernen sich im Umfeld der konkreten Praxis kennen, sie vernetzen sich untereinander, sie er­leben Gemeinschaft durch den gemeinsamen Austausch, das gemein­same "Schöpfen aus einer liturgischen Quelle" und das Unterwegssein in verschiedenen Teams. Es wird auch bei ihnen Begeis­terung geweckt, die ansteckt und Kreativität fördert.
  • Die Begegnung mit der konkreten Situation eröffnet einen differen­zier­teren Blick auf die Lebenswirklichkeiten vor Ort. So verändert z.B. ein Fabrikbesuch durch bleibende Eindrücke die Wahrnehmung des Pfarrers; die Eindrücke in der Pfarren verändern die Erwartungs­haltungen der zentralen Einrichtungen gegenüber die Pfarren.
  • Verschiedene Formen der Verkündigung können in einem solchen Rahmen versucht werden. So wurden z.B. Bibeltafeln auf den Stadt­plätzen aufgestellt oder die Leute auf der Straße eingeladen, sich mit Jesus fotografieren zu lassen. Leute konnten sich zu einer Jesusfigur dazustellen, also Position beziehen. Das Foto aus der Sofortbildkamera konnten sie gleich mitnehmen. Das Gespräch zu dieser Aktion war nicht zuletzt auf Grund der Irritation dieser Methode in der ganzen Region sicher.

 

Fragen, die sich im Rahmen des Experiments Kontaktwoche stellen können:

  • Bei diesem hohen Personaleinsatz stellt sich die Frage nach der Nach­haltigkeit des Unternehmens: Was verändert sich bei wem langfristig gesehen? Was bleibt? Mit welchem Anspruch an Erfolg gehe ich an ein solches Projekt heran? Die Nachhaltigkeit hängt offensichtlich sehr davon ab, wie weit sich die Pfarrgemeinde in der Planung mitbeteiligt hat.
  • Wie kann man mit dem Widerstand einer Pfarre, bzw. eines Pfarrers gegen Impulse von außen umgehen? Durch den Rahmen einer größe­ren Öffentlichkeit kann eine einzelne Pfarre nicht gänzlich dem Projekt auskommen. Ein Widerstand aus ideologischen Gründen kann nicht überwunden werden.
  • Welche Mittel sich legitim, um in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu erregen? Wieweit wage ich mich hin zu den Menschen, um mich an ihrer Seite zu stellen und mit ihnen zu gehen? Entscheidend ist hier die Wertschätzung anderen gegenüber und die Echtheit, die jeder und jedem in der Begegnung möglich ist.

 

Was die Kirche Österreichs von diesem Experiment Kontaktwoche lernen kann:

Dieses Projekt kann ein Beispiel sein in seinem breiten, ganzheitlichen Ansatz, in seinem Vorbild in die verschiedensten pastoralen Bereiche hineinzugehen, in seiner Integrationsfähigkeit für verschiedene kirchliche Gruppierungen in einem gemeinsamen Projekt.

Man braucht eine Palette von Methoden, weil Menschen verschieden sind und deshalb verschieden angesprochen werden sollen. Dabei ist es entscheidend, die neuen Orte, wo sich die Menschen im Alltag bewegen, wahrzunehmen.

In der heutigen Gesellschaft sind Bilder von größter Bedeutung. In der ganzen Missionsgeschichte waren Bilder ein Hauptweg für die Glaubensverkündigung. Bilder sind Türöffner, um zum Glauben zu kommen. Es geht darum, vom Bild zu einer Beziehung zum Bild und zu einer Beziehung zur Botschaft zu kommen, für die das Bild steht. Gute Bilder sprechen für sich selbst, brauchen keine Erklärungen. Christliche Symbole müssen Freiräume öffnen, im Gegensatz zur Aggressivität der Werbung. Symbole haben immer einen Bedeutungsüberschuss, sind offen für Interpretationen. So kann das Fotografieren mit der Jesusfigur als ein starkes, originelles, erlebnisorientiertes Element gesehen werden, das auch Distanz erlaubt. Es braucht Menschen, die daneben stehen, die interpretieren. Es braucht einen Kontext. Interessant ist, dass von diesem Bild her Gespräche zur zentralen Botschaft ausgegangen sind. Man kam nie auf innerkirchliche Diskussionen.

Missionarische Projekte sollen in Zukunft Priorität haben vor Strukturpro­zessen. Sie wecken Energie und setzen Kreativität frei. Mission kann im Rahmen von solchen Projekten neu kennen gelernt und buchstabiert werden. Wege der Evangelisierung für den österreichischen Kontext werden aufge­zeigt.

 

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