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Experiment:
Ein Regionalbegleiter wird von der Diözese Feldkirch beauftragt, ein Konzept für die Strukturierung der Seelsorge für die Region Klostertal zu entwickeln
Die Region besteht aus vier Pfarren, wobei sich eine Pfarre nicht für das Projekt "Seelsorge in der Region" entschied. Voraussetzung für die Projektentwicklung war, dass die Pfarre als eigenständige Größe erhalten bleiben muss. Ziel ist es also, die Eigenständigkeit zu leben und dabei aber Kooperationsmöglichkeiten sehen zu lernen. In jeder der drei Pfarren gibt es als "Seele der Gemeinde" eine ehrenamtliche Ansprechperson.
Im Projekt Klostertal wurde durch Herbert Nußbaumer für fünf Jahre Begleitung für die Erstellung des Seelsorgekonzeptes sichergestellt. Seine Aufgaben bestanden darin, nach einer eingehenden Analyse der Situation Ausbildung für verschiedene Dienste in den Pfarren zu organisieren und auch durchzuführen, die Pfarrgemeinderäte zu begleiten, den Informationsfluss in den drei Pfarren zu fördern und zu sichern, die gesellschaftliche Öffentlichkeit mit einzubeziehen, Talente zu entdecken, um in den einzelnen Gemeinden Pfarrteams aufzubauen. Unterstützung erhielt Herbert Nußbaumer durch ein Projektsekretariat vor Ort und durch eine diözesane Planungs- und Begleitungsgruppe. Heute sind ein Priester (50 % in der Schule, 50 % in den Pfarren), eine Pastoralassistentin (50%-Anstellung) und das Regionalteam für die Seelsorge verantwortlich. Die in das Regionalteam entsandten Personen aus den Pfarren gelten auch als Ansprechpersonen in ihrer jeweiligen Pfarrgemeinde. Bei ihnen laufen die Fäden und Informationen zusammen, sie wissen Bescheid und organisieren.
Das Regionalteam schaut, wo Vernetzung möglich ist, arbeitet Vorschläge aus und diese werden in die jeweiligen Pfarrgemeinderäte getragen.
Gemeindebilder, die Seelsorge in diesem Experiment prägen:
Die ehrenamtlichen Ansprechpersonen tragen einerseits das Bild "von der versorgten zur mitsorgenden Gemeinde" in sich. Ihre Aussagen, Hoffnungen und Enttäuschungen messen sich an dem, ob es ihnen in der Pfarre gelingt, verschiedene Fähigkeiten einzubringen, eigenständig Gottesdienste zu feiern, sich auch ohne Priester zu versammeln, um das Wort Gottes zu hören. Andererseits wird in den Beschreibungen zur Situation auch deutlich, dass noch viele Erwartungen an die Hauptamtlichen, vor allem an den Pfarrer gerichtet werden. So kommt das Konzept der selbstsorgenden Gemeinde nur schwer zum Zug in der Pfarre, in der der pensionierte Pfarrer am Ort geblieben ist. In einer der drei Pfarren wohnt der zuständige Priester, dem natürlich die traditionelle Pfarrerrolle herangetragen wird. Für die Pastoralassistentin ist es nicht leicht auszuloten, wie viel an Begleitung in den Pfarren hilfreich ist oder die Pfarren wieder zu gut versorgten Pfarren macht. Den Ehrenamtlichen ist wichtig, dass Spiritualität gesichert ist, sie soll im Unterwegssein als Volk Gottes nicht verloren gehen.
Chancen, die in diesem Experiment der Begleitung stecken:
- Indem die seelsorgliche Konzepterstellung und in ihr die Suche nach der geeigneten Form
der Leitung der Pfarrgemeinden als ausdrückliches Projekt gesehen werden, wird das Bewusstsein
für die gemeinsame Verantwortung über die eigene Pfarrgrenze hinaus gefördert. Durch
das Benennen als Projekt wird signalisiert, dass Zeit und Energie für
die Zukunftsfragen der Seelsorge seitens der Diözese gewährt werden.
- Durch die Ressource der Begleitung durch Herbert Nußbaumer konnte
das Konzept der Leitung im Einvernehmen mit der Diözese von den Gemeinden
selbst entwickelt werden. Dabei wurden in den Gemeinden persönliche Talente
und Fähigkeiten entdeckt und entfaltet und somit Kompetenzen erworben. Dem entspricht auch
die Zusage der entsprechenden Verantwortung. Ehrenamtliche stehen so auch vor neuen Herausforderungen,
die weiterführen. Sie müssen aber auch lernen, Grenzen zu setzen, um nicht überfordert zu werden.
Wichtig ist für sie die Bestärkung durch die Begleitung, damit sich ihre Persönlichkeit entwickeln kann.
- Für die Hauptamtlichen steckt die Chance bezüglich der Arbeit in der Region darin,
aus der Vereinzelung herauszukommen und auch im Team arbeiten zu können. Auch in diesem
Modell wird die Reflexion der Priesterrolle gefördert.
Fragen, die sich im Rahmen des Experiments der Begleitung stellen:
- Die Komplexität für die Aufgabe der Leitung wird durch die verschiedenen Zuständigkeiten und Funktionen immer größer, so stellt sich die Frage: Wer leitet im konkreten Alltag einer Pfarre wie mit wem? Wer entscheidet letztlich?
- Seitens der Begleitung wurde sehr viel Zeitressource eingesetzt. Das in dieser Werkstatt bezeugte Engagement der Ehrenamtlichen scheint dies zu rechtfertigen. Aber wie ist das durchzuhalten?
- Offensichtlich ist das Gelingen von Zusammenarbeit sehr von konkreten Personen abhängig. Eine große Aufmerksamkeit bei Personalbesetzungen ist notwendig. Wie kann die Kontinuität in solchen Projekten seitens der Diözese gesichert werden?
Was die Kirche Österreichs von diesem Experiment der Begleitung lernen kann:
- Ein Lernprozess braucht viele Ebenen. Es muss sich auf der Ebene der Diözesanleitung genauso etwas verändern wie auf der Ebene der Gemeinden. Das Beispiel Klostertal zeigt: Die Gemeinden wissen sich den Platz des Priesters freizuhalten. Es kann sogar das Priestertum wieder attraktiver werden, wenn man sich wieder auf priesterliche Funktionen konzentrieren kann. Das Beispiel zeigt auch, dass es Pfarren ohne Eucharistiefeier auch als christliche Gemeinde geben kann. Für die engagierten Gläubigen erscheint es so, dass der Zölibat in der Gesamtkirche wichtiger ist als die Eucharistie.
- Es lohnt sich auch exemplarisch in Entwicklungsprojekte Zeit, Geld und Energie zu investieren, da vor allem auch die geistliche Vertiefung der Ehrenamtlichen gefördert wird, wenn mit der Umstrukturierung auch Weiterbildungsprozesse und Kompetenzerweiterung mit bedacht werden.
- Das Gelingen hängt natürlich auch von den Rahmenbedingungen ab. So ist es nicht unbedingt sinnvoll, einen pensionierten Pfarrer am selben Ort als Priester weiter wirken zu lassen, weil dies nur Konflikte hervorruft. Als klare Rahmenbedingung kann auch das Einsetzen und die Beauftragung für bestimmte Aufgaben durch den Bischof gesehen werden, damit auch die Ansprechpersonen legitimiert sind.
- Es kann nur ein Konzept für die jeweilige Situation und Person geben. Es kann nicht das seelsorgliche Konzept der Region Klostertal auf andere Seelsorgeräume übertragen werden. Für Begleiter/innen von solchen Prozessen ist es daher wichtig, dass sie sich immer wieder neu auf die Region und ihre Situation einlassen und wiederum mit den Ressourcen vor Ort ein Konzept entwickeln. Das braucht auch Freiräume und Vertrauen für die Begleiter/innen solcher Prozesse. So können sich in den Regionen verschiedene Leitungsformen entwickeln.
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