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Weihbischof Freitag: Verwundbarkeit macht Kirche glaubwürdig

 

Grazer Weihbischof bei Pastoraltagung: Nicht Stärke ist Perspektive des Evangeliums, sondern menschliche Verwundbarkeit und Verletztheit – "Eine Kirche, die verwundbar ist, wird glaubwürdig. Eine Kirche, die ihre eigenen Brüche nicht verdrängt, kann heilen"
 

 

„Eine Kirche, die den Mut hat zu sagen: 'Wir brauchen einander', wird synodal – nicht programmatisch, sondern existenziell“: Darauf hat der Grazer Weihbischof Johannes Freitag in seiner Predigt im Rahmen der Österreichischen Pastoraltagung am Freitagabend in Salzburg hingewiesen. Nicht Stärke sei die Perspektive des Evangeliums, sondern menschliche Verwundbarkeit und Verletztheit. „Es verschweigt nicht, dass auch Jesus, sowohl körperlich als auch in seinem Selbst verwundbar und starken Zweifeln ausgesetzt war“, so Freitag, der gemeinsam mit der Theologin Veronika Prüller-Jagenteufel eine Dialogpredigt hielt.

Unter dem Generalthema „Verletzlich. Berührbar. Christliche Perspektiven zur Verwundbarkeit“ referieren noch bis Samstag Expertinnen und Experten aus Österreich, Deutschland und Schweiz vor etwa 400 Teilnehmenden, darunter Kardinal Timothy Radcliffe (Oxford), die Innsbrucker Theologin Michaela Quast-Neulinger sowie der bekannte Ordensmann und Aktivist P. Jörg Alt, und die Pionierin der Spiritual Care-Bewegung, die Schweizer Psychoonkologin Monika Renz.

„Und vielleicht ist genau das eine prophetische Botschaft für unsere Zeit: Eine Kirche, die verwundbar ist, wird glaubwürdig. Eine Kirche, die ihre eigenen Brüche nicht verdrängt, kann heilen“, so Freitag. Und weiter: „Gott wird nicht kleiner, wenn wir klein werden. Wir werden größer, wenn wir uns von Gott gerade in unserer Kleinheit tragen lassen.“ Dies sei keine Vertröstung oder gar „gefährliches spirituell angehauchtes Schönreden menschlicher Verletzungen“, sondern eine existenzielle Erfahrung. Erfahrbar werde dies im pastoralen Alltag der Kirche, etwa in der Begleitung von Trauernden, junger Menschen oder in Fragen nach Identität, Zukunft oder Gerechtigkeit, führte Freitag aus. Nötig seien nicht einfache Antworten, sondern „ein Herz, das fühlt, das da ist im Moment, das mitfühlt und das halt gibt“.

 


Zielgruppe und Tradition

Die Tagung richtet sich an pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der österreichischen Kirche sowie aus dem benachbarten Ausland und bietet spezielle Vernetzungsmöglichkeiten, darunter ein „Come Together“ für Unter-40-Jährige sowie berufsspezifische Austauschformate. Die Österreichische Pastoraltagung gilt seit 1931 als Fixpunkt in der kirchlichen Erwachsenenbildung.

 

Quelle: kathpress.at

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