Saturday 2. July 2016
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Im Uneindeutigen leben ...

Im Uneindeutigen Leben

Pluralität als gesellschaftliche Herausforderung

Wilhelm Guggenberger, Katholisch-Theologische Fakultät, Universität Innsbruck

 

1) Pluralität, was ist das?

Pluralität:  ein Faktum mit dem es umzugehen gilt

Pluralismus: Eine Haltung, die Vielfalt als etwas Positives, Anzustrebendes wahrnimmt

Plurale Gesellschaft: Sie besteht aus einer Vielzahl von sozialen Gruppierungen, die sich nicht nur in ihren Rollen, Funktionen und Schichtungen unterscheiden, sondern auch in ihren grundlegenden Weltanschauungen, Weltvorstellungen und Normensystemen, ohne dass diese Verschiedenheit eine staatliche oder gesellschaftliche Einheit unmöglich machen muss.

Die Neuzeitliche Entwicklung befreit aus vorgegebenen, oft auch sehr engen sozial-kulturellen Vorgaben. Das wird als Entbettung bezeichnet, die als Chance gesehen werden kann, oft aber auch überfordert.

Die Moderne ist Freiheitsprojekt, aber auch Perfektionierungsprojekt, in dem die Individuen in ihrer Freiheit bevormundet werden und sich mitunter gern bevormunden lassen. Eine paradoxe Folge der Befreiung zu Individualität und möglicher Vielfalt war im 20. Jahrhundert also gerade die Diktatur.

Aus dem Misstrauen gegenüber großen Ordnungskonzepten erwächst nun ein neuer Impuls für Vielfalt. Die Folge ist allerdings auch, dass alle ihr eigenes Leben zu gestalten haben. Der Mensch muss sich in der Vielzahl von Optionen zurechtfinden, gleichsam in einer „Bastelbiographie“.

Grundelemente unserer Existenz in dieser Situation:

  • Individualität
  • Flüchtigkeit
  • Fremdheit

2) Wo begegnet uns gesellschaftliche Pluralität?

Drei exemplarische gesellschaftliche Bereiche:

  • Lebensform 
  • Verschiebungen im gesamten Sozialgefüge, politisch bewusst gesetzte Strukturelemente und individuelle Entscheidungen produzieren eine Vielfalt von Lebensformen jenseits traditioneller Muster
  • Kultur  
  • Pluralisierte Gesellschaften sollten fähiger zur Einbindung von Fremdem sein, da Integration in ihnen formalisiert ist. Zugleich führt die durch Vielfalt entstehende Verunsicherung aber zu einer neuen Sehnsucht nach kultureller Identität. Kultur als Mittel der Abgrenzung gewinnt an Bedeutung.
  • Menschen, die in verschiedene kulturelle Kontexte hineingeboren und hinein gewachsen sind, teilen den gleichen Lebensraum, eine Situation, die in Österreich weitgehend durch Zuwanderung entsteht.
  • Religion   
  • Für nichtreligiöse Menschen ist Religionspluralität kein Problem, solange Religion kaum gesellschaftliche Bedeutung hat. Für religiöse Menschen kann sie nur dann akzeptabel sein, wenn aus ihrem Glauben selbst eine pluralistische Haltung gewonnen werden kann. Dazu muss Religion als bedeutsam wahrgenommen werden.
  • Hinter der Vielfalt religiöser Angebote steht das Grundfaktum, dass Religiös-Sein selbst nur noch eine Möglichkeit unter anderen darstellt.
  • Religion und Kultur sind miteinander verflochten, aber nicht identisch miteinander.

3) Wie begegnen wir gesellschaftlicher Pluralität?

Pluralität stellt vor eine doppelte Herausforderung:

  • Individuell: Orientierung in der Vielfalt von Möglichkeiten und Lebensstilen
  • Sozial: Gestaltung einer Gesellschaft aus Individuen und Gemeinschaften mit unterschiedlichen Lebensstilen

Eine gelungene Orientierung und Identitätsfindung der Individuen ist Voraussetzung dafür, in positiver Weise mit gesellschaftlicher Vielfalt umgehen zu können. Dazu können religiöse Traditionen einen großen Beitrag leisten. Im katholischen Kontext wurde durch das 2. Vatikanische Konzil die Pluralitätsfähigkeit der eigenen Tradition entdeckt.

Alles, was Individuen Selbststand verleiht, ohne an sich ausgrenzend zu sein, trägt dazu bei, dass plurale Gesellschaften  in Frieden und wechselseitiger Bereicherung unterschiedlicher Lebensstile, Kulturen und Religionen leben können.

 

 

 

Kontaktdaten:

Dr. Wilhelm Guggenberger

a.o. Univ.-Prof. für Christliche Gesellschaftslehre, Universität Innsbruck

http://www.uibk.ac.at/systheol/guggenberger/

email: Wilhelm.Guggenberger@uibk.ac.at

Pastoral heißt:

 

Dasein mit den Menschen

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Amoris laetitia

Nachsynodales Schreiben über die Liebe in der Familie

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