Donnerstag 30. März 2017
Pastoral.at
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Österreichische Pastoraltagung 2017

                               Die Österreichische Pastoraltagung 2017 fand mit über 300 Teilnehmer/innen vom 12. bis 14. Jänner im Bildungszentrum St. Virgil in Salzburg statt. Sie stand unter dem Motto "LIKE JESUS".

 

  

Fotos: zur Galerie

 

Ökumenischer Gottesdienst

 

 

 

 

 

 

Joachim Kügler - Handout

„Das Unbeschreibliche, hier ist es getan“

Jesus von Nazaret und seine sakramentale Pastoral

 

 

 

Die Grund-Erkenntnis: Die Macht des Bösen ist gebrochen

 

Er sprach aber zu ihnen:Ich schaute den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallend. (Lk 10,18)

 

 

 Sakrament 1: Befreiung aus der Macht des Bösen

- Exorzismus

- Sündenvergebung

 

Wenn ich aber mit dem Finger Gottes die Dämonen hinauswerfe, also kam zu euch die Königsherrschaft Gottes. (Lk 11,20/ Q)

Und sie kommen, bringend zu ihm einen Gelähmten, getragen von Vieren. Und da sie (ihn) nicht hinbringen konnten zu ihm wegen der Volksmenge, abdeckten sie das Dach, wo er war, und (es) aufgrabend, lassen sie die Bahre, wo der Gelähmte daniederlag, hinab. Und sehend Jesus ihren Glauben, sagt er dem Gelähmten: Kind, erlassen werden deine Sünden. (Mk 2,3-5)

 

 

Sakrament 2: Krankenheilung

 

 (Es) waren aber einige der Schriftkundigen dort sitzend und überlegend in ihren Herzen: Was dieser so redet? Er lästert; wer kann erlassen Sünden, wenn nicht einer, Gott? Und sofort erkennend Jesus mit seinem Geist, dass sie so überlegen bei sich, sagt er ihnen: Was überlegt ihr dieses in euren Herzen? 9 Was ist müheloser, zu sprechen zu dem Gelähmten: Erlassen werden deine Sünden, oder zu sprechen: Steh auf und trag deine Bahre und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass Vollmacht hat der Sohn des Menschen, zu erlassen Sünden auf der Erde, – sagt er dem Gelähmten: Dir sage ich, steh auf, trag deine Bahre und geh fort in dein Haus! Und er stand auf, und sofort, tragend die Bahre, hinaus­ging er vor allen, so dass alle sich entsetzten und Gott verherrlichten, sagend: So etwas sahen wir niemals. (Mk 2,6-12)

 

 

Sakrament 3: Mahlgemeinschaft

 

Und hinausging er wieder entlang dem Meer; und die ganze Volksmen­ge kam zu ihm, und er lehrte sie. Und weitergehend sah er Levi, den des Alphaios, sitzend bei der Zollstelle, und er sagt ihm: Folge mir! Und aufstehend folgte er ihm. Und es geschieht, dass er (zu Tisch) liegt in seinem Haus, und viele Zöllner und Sünder lagen (zu Tisch) mit Jesus und seinen Schülern; denn sie waren viele, und sie folgten ihm. Und die Schriftkundigen der Pharisäer, sehend, dass er isst mit den Sündern und Zöllnern, sagten seinen Schülern: Mit den Zöllnern und Sündern isst er? Und hörend (es), sagt Jesus ihnen: Nicht nötig haben die Starken einen Arzt, sondern die, denen es schlecht geht; nicht kam ich, zu rufen Gerechte, sondern Sünder.

Und die Schüler von Johannes und die Pharisäer waren Fastende. Und sie kommen und sagen ihm: Weshalb fasten die Schüler von Johannes und die Schüler der Pharisäer, deine Schüler aber fasten nicht? Und (es) sprach zu ihnen Jesus: Können etwa die Söhne des Brautgemachs, während der Bräutigam bei ihnen ist, fasten? (Für) wie lange Zeit sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten. Kommen wer­den aber Tage, wann weggenommen wurde von ihnen der Bräutigam, und dann werden sie fasten an jenem Tag. (Mk 2,13-20)

Johanna Rahner - Handout

„In mir ist nichts, was erlöst werden muss; ich fühle die culpa nicht“ (K. Tucholsky)

Die Rede von Jesus Christus als Heiland und Erlöser der ganzen Welt vor neuen Herausforderungen

 

Vorbemerkungen

 

A. Das Bekenntnis zu Jesus, dem Christus und die alltäglichen Herausforderungen

des interreligiösen Dialogs

 

Die mit dem 11. September 2001 aufgebrochenen Fragen werden nur langsam überwunden. Dabei geht es nicht nur um das Christentum als kulturelle Größe, sondern es geht auch um die Frage nach konkret mit dem Christentum zu verbindenden Inhalten (von der Gottesfrage bis zu den Menschenrechten).

Erwartungsgemäß hat im Rahmen der Frage nach dem entscheidend und unterscheidend

Christlichen die Christologie einen zentralen Stellenwert.

 

 

B. Jesus Christus – ein Thema ohne Alltagsrelevanz?

 

Allenfalls skandalös-reißerische Inszenierungen der Jesusgeschichte, wie z.B. Dan Browns Da Vinci-Code, vermögen heute noch Interesse zu erwecken. Die Gestalt dieses Jesus von Nazaret und damit das Epizentrum der traditionellen Christologie wird höchstens noch verfremdet, pseudohistorisierend oder esoterisch verwandelt zu einer interessanten Fragestellung, die aber für die heutige Wirklichkeit letztlich nur solange von Bedeutung ist, wie sie eine Mode bedient. Christologie in der Moderne hat nur dann noch eine Chance ernst- und damit wahrgenommen zu werden, wenn sie sich mit der Anthropologie verbindet (K. Rahner).

 

 

I. Anfragen an die Christologie aus dem interreligiösen Dialog

 

A. Das Judentum

Eine Neuskizzierung der Christologie im Angesicht des Judentums kommt hinter die Zäsur, die wir mit dem Begriff ‚Auschwitz’ verbinden, nicht zurück. Eine nicht antijudaistische Christologie hat dabei beim irdischen Jesus selbst anzusetzen und die Frage einer Theologie nach Auschwitz verschärft die Frage nach der Christologie.

 

B. Der Islam

Die ‚Christologie’ des Korans hält ebenso wie die jahrhunderte alte Jesusfrömmigkeit gerade auch in der muslimischen Mystik, die sich in einer Art Praxis der imitatio Christi niederschlägt, die Christusfrage innerhalb des Islam offen. Und auf diesem Hintergrund können die Texte des Korans als eine eigene, islamische Art der ‚Christologie’ verstanden werden, die unsere eigene Gestalt der Christologie herausfordert.

 

 

II. Die theologische Kernfrage: Christologie und die Frage nach dem Gottesbild

Der „Inkarnationsgedanke war eine unendliche Bestärkung der menschlichen Selbstachtung“.

Durch „ihn blieb nicht beliebig und provisorisch, welche Gestalt der Gott annimmt, denn diese Gestalt wird sein eigenes und bleibendes Schicksal.“ (Hans Blumenberg) Die christologische Lehrentwicklung ist ein Ringen um die Konsistenz der Gottesvorstellung und des Verhältnisses von Gott und Welt. So hat Christologie immer eine heuristische Funktion: den Glauben an jene im Christusereignis letztgültig sichtbar gewordene, nicht mehr aufhebbare Verbindung von Gott und Mensch plausibel zu machen.

Der notwendige Streit um die Christologie ist kein Streit um Wesensaussagen, in der Frage nach der Christologie geht es um nichts anderes als um die Gottesfrage selbst.

 

 

III. Zur systematischen Essenz der christlichen Gottesrede und des Christusglaubens

angesichts der Anfragen

 

A. Weil Gott anders ist

 

Die Gottesvorstellung Ex 3,14 ist der entscheidende Verweis auf einen Gott, der sich in einer ganz einzigartigen Weise als der Anwesende zeigt; einfach als der: Ich-bin-der-ich-bin-Da. Sprachlich ist dieser Gottesname eine Leerstelle, ein Name über, ja jenseits aller Namen und Benennungen. Dennoch belässt es die Bibel nicht bei dieser ‚Leerstelle‘, sondern ergänzt dieses pure ‚Ich-bin-da‘ Seite um Seite durch die konkreten Erfahrungen eines ‚Ich-bin-da-für-Euch‘. Dieser Gottesbegriff ist daher nicht einfach der eines ‚transzendenten’, ewigen, jenseitigen, absoluten, sich selbst genug seienden Gottes, wie dies ein philosophischer Gottesbegriff nahe legen würde. Gott ist hier und jetzt in seiner Schöpfung da, weil er als tätiger Gott, als handelnder, in der Geschichte, ja auch in den Abgründen dieser Geschichte wirksamer Gott erfahren wird.

 

 

B. Weil Gott mit uns ist

 

Dem christlichen Trinitätsglauben geht es zunächst um nichts anderes, als die für Israel so zentrale ‚Einzigartigkeit’ Gottes nun in Bezug auf diesen Jesus von Nazaret festzuhalten. Die erste Verweisfunktion der Christologie ist also die Theo-logie, die Gottesrede selbst; und sie stellt diese Gottesrede bereits unter ein bestimmtes Vorzeichen, nämlich das der Soteriologie. Darum besteht die Heilsbedeutung Jesu auch und gerade darin, dass Jesus sich in seiner Freiheit mit den Menschen seiner Zeit solidarisiert und zugleich inmitten dieser Verflochtenheit eine neue Weise menschlicher Existenz und Solidarität vorlebt, die er als gottgewollte, von Gott kommende sichtbar macht. Die zweite Verweisfunktion der Christologie ist daher die Anthropologie. Die inkarnatorische Grunddimension christlicher Erlösungsvorstellungen

zeigt den Menschen als das Lebewesen, das um das Geschenk seines Anfangs weiß, das

sein Leben gestaltet, das dabei immer wieder umkehren und von neuem beginnen kann. Und darum ist Heil und Erlösung biblisch immer auch Neubeginn, Neuschöpfung, Erneuerung, Wiedergeburt; eben: als Leben aus der Erfahrung des Erlöstseins heraus bestimmt.

 

 

IV. Die anthropologische Kernfrage: Christologie und die Frage nach Heil und Erlösung

 

A. Wider den selbstverschuldeten Plausibilitätsverlust christlicher Soteriologie

Muss man den Menschen das Leben erst mies machen, um von Heil und Erlösung sprechen zu können? Die Sündenfixiertheit des Erlösungsgedankens hat das Christentum viel gekostet. Freilich zeigt schon dieser kurze Blick in die Theologiegeschichte: Die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen kann und darf nicht auf die Sünde begrenzt werden.

 

B. Mit Gott neu anfangen: Eine Theologie der Menschwerdung

Gott ist Mensch geworden, lautet die entscheidende Heilsmetapher. Eine Theologie der Menschwerdung beruht auf der Wahrheit, dass sich das Göttliche im Menschlichen zeigt, dass dieses Leben hier und jetzt eine göttliche Würde hat, bedeutet Freude am Daseindürfen, am Menschseindürfen. Vielleicht noch stärker als von der schöpfungstheologischen Begründung her steht hier die Würde des Menschen im Mittelpunkt.

 

 

V. Ausblick: Jesus Christus und die anderen Religionen

Das österliche Geheimnis „gilt nicht nur für die Christgläubigen, sondern für alle Menschen, in deren Herzen die Gnade unsichtbar wirkt. Da nämlich Christus für alle gestorben ist und da es in Wahrheit nur eine letzte Berufung des Menschen gibt, die göttliche, müssen wir festhalten, dass der Heilige Geist allen die Möglichkeit bietet, diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise verbunden zu sein.“ (GS 22).

 

Richard Hartmann - Handout

 

Zentral? Unauffällig? Real? – Jesus Christus und unser pastorales Engagement

 

Erinnerungen an eine „Jesus-Pastoral“

 

Eine Bibelrenaissance?

 

Ist also der Jesus-Bezugunauffällig?

Mir scheint, dass bei aller Einsicht, dass Kirchenreform mehr sein müsse als Strukturreformimmer noch in der pastoralen Planung eine vorrangig selbstreferenzielle Kirchlichkeit vorherrscht. Kirche prüft die Chancen ihres strukturellen Überlebens, sie versucht die flächendeckenden Schrumpfungsprozesse zu verstehen und Maßnahmen dagegen einzusetzen, immer noch mit einer ausgeprägten Marketinglogik und dem Versuch immer neue Formate kirchlicher Praxis zu erfinden, um neue Mitglieder hinzuzugewinnen. Selbst bei Theologie-Studierenden, die aus dem binnenkirchlichen Milieu kommen sind solche Selbsterhaltungsziele mehr im Blick als die Rückbindung an die Gestalt des Jesus Christus, der nur Nachfolge einlädt und seine Reich Gottes Botschaft.

 

Hermeneutische Anfragen

Die Forderungen nach einer stärkeren „Einbeziehung der Bibel und ihrer Auslegung in die Liturgie (vgl. SC 52) [und RH] konsequent eine intensivere Integration der Bibel in die Seelsorge“(1) schienen zu fruchten. „Um des Evangeliums willen ist die Gemeinde zum Heil der Menschen da: als der Ort, wo nie mit den Versuchen aufgehört wird, die Botschaft der Biebl zu besprechen, zu hören und im Mit- und Füreinander zu verwirklichen (vgl. SC Art. 77).

„Ein dichter, lebensbezogener Umgang mit biblischen Geschichten ist für Christen auch deswegen wichtig, damit sie vom Versuch her, die Bibel durch das eigenen Verhalten authentisch auszulegen, zugleich dazu fähig werden, die Alltagsauslegung religiöser bzw. biblischer Begriffe und Symbole zu durchschauen und zu kritisieren“. Fuchs betont die befreiende Kraft des Evangeliums und warnt zu gleich vor dem Missbrauch der Bibel (2). Er betont, dass es wichtig sei, Bibel zu studieren mit dem wissenschaftlich-exegetischen Hintergrund, mit „verantworteten methodischen Schritten“.

 

Hark, Norbert: Auf das Wort hören und danach handeln: hermeneutische Maßstäbe für eine exegetisch verantwortete Pastoraltheologie. Ostfildern: Matthias-Grünewald-Verl., 2013, 245-261. „Die biblische Vergewisserung auf wissenschaftlichem Niveau ist keine Spezialaufgabe der Exegese oder ein Sonderfall der Pastoraltheologie, sondern gemeinsame Basis allen christlich-theologischen Denkens.

 

Offenbarung ist ein personales Geschehen, das der Schrift und aller Tradition vorausliegt. Der Pastoraltheologie muss es darum gehen, Menschen in der Begegnung mit diesem personalen Geschehen zu begleiten. Die Hl. Schrift ist das ursprünglichste Zeugnis dieses Offenbarungsgeschehens.

 

Keine wissenschaftliche Exegese, auch wenn sie von nichtexegetischen Disziplinen wie der Pastoraltheologie verantwortet wird, kann heute ohne die historisch-kritische Methode betrieben werden.

 

Die historisch-kritische Exegese als Grundlegung jeder Schriftauslegung bedarf der Ergänzung durch weitere theologische Methoden, will sie für die Pastoraltheologie fruchtbar werden.

 

Der Fundamentalismus lädt zu einer vereinfachten Auslegung der Schrift ein, die weder wissenschaftlich angemessen ist, noch wirklich auf die Fragen der Praxis von Kirche und Menschen antworten kann. Die Pastoraltheologie wird um ihres wissenschaftlichen Anspruchs willen der Versuchung einer einfachen fundamentalistischen Bibellektüre widerstehen müssen.

 

Die Bibelauslegung in heutiger Zeit muss die Vorgaben der modernen hermeneutischen Philosophie und der postmodernen Kultur aufnehmen. Dies gilt vor allem für eine pastoraltheologisch orientierte Exegese, die in den Zeichen der Zeit einen Ort theologischer Relevanz findet.

 

Die Interpretation der Hl. Schrift ist eine nie abgeschlossene Aufgabe, die jeder Eindeutigkeit widersteht. Der biblische Text gibt Zeugnis von der göttlichen Offenbarung und ist darum nicht mit den menschlichen Mitteln der Theologie vollständig zu erfassen. Pastoraltheologie wird diese Offenheit des Textes begrüßen, da so ihre Beschäftigung mit den Anforderungen der Zukunft eine Basis in der Hl. Schrift erhält.

 

Die Hl. Schrift als Ursprungszeugnis der Offenbarung hat für alles theologische Denken eine kritische Funktion. Wenn sie gegen die eigenen Vorurteile gelesen wird, kann ihre Lektüre größten Gewinn bringen. Pastoraltheologische Ansätze finden so ein kritisches Korrektiv außerhalb humanwissenschaftlicher und empirischer Konzepte.

 

Damit Interpretation nicht in eine subjektive Verengung führt, ist sie in den Zusammenhang der glaubenden Gemeinschaft gestellt. Die Lesegemeinschaft zeigt Grenzen der Interpretationsmöglichkeiten auf und gewährleistet andererseits den Freiraum, auf den der Umgang mit dem Wort Gottes angewiesen ist. Die Einbindung der Interpretation in eine bekennende Glaubensgemeinschaft führt zu Optionen, die dem Lesen vorausliegen.

 

Die Interpretation der Hl. Schrift wird nie zu eindeutigen Ergebnissen führen. Dies ist kein Mangel, sondern liegt sowohl in der absoluten Geheimnishaftigkeit Gottes, der sich offenbart, und zudem in den beschriebenen hermeneutischen Vorgaben. Die Pastoraltheologie kann dies in ihre eigene plurale Struktur integrieren.

Die Schrift mahnt eindringlich die Einheit der Christen an. In der exegetischen und pastoraltheologischen Arbeit ist der der Fortschritt der Ökumene besonders deutlich. Dies könnte auf weitere Felder der Theologie ausstrahlen.“

 

(1)  Fuchs, Ottmar: Der Stellenwert der Bibel in der heutigen Pastoral, In: Fuchs, Ottmar: Praktische Hermeneutik der Heiligen Schrift. Stuttgart: Kohlhammer, 2004, S. 55 – 72, S. 55 dann folgend.

(2)   Fuchs, Ottmar: Kriterien gegen den Missbrauch der Bibel. In: Fuchs, Hermeneutik 2004, S. 385 -407, zurückgehend auf einen Beitrag von 1998.

Thomas Schlag

Zentral? Unauffällig? Real? – Jesus Christus und unser pastorales Engagement

(Text - gekürzt)

 

Problemstellungen

 

Man etwas spöttisch sagen: „Ist es noch nicht genug?“ – Erst wird auf die Jugendlichen das Thema Theologie „losgelassen“ und nun sollen sie auch noch für die Bibel wiedergewonnen werden!? Ist Jugendtheologie also womöglich das Einfallstor für eine neue evangelische Unterweisung, eine Katechetik alten Stils? Soll die Bibel Instrument für missionarisch-biblizistisch Wiedergewinnungsinitiativen werden?

 

Ich will im Folgenden einige Problemlagen und Herausforderungen für die bibeldidaktische Perspektive im Kontext der Jugendtheologie aufzeigen – weniger um damit schon zu sagen, wie man es nun macht, sondern was eigentlich zur Debatte steht und worauf es bibeldidaktisch zu achten gilt: Dafür beginne ich mit einer Skizze wesentlicher religionspädagogischer Problemlagen im Blick auf die Bibel.

 

Es sei hier die These gewagt, dass wir für die gegenwärtigen Verhältnisse – mindestens des mitteleuropäischen Christentums – von einer eklatanten Bibelvergessenheit auf allen Seiten bzw. unter allen Generationen auszugehen haben. Dies bildet sich keineswegs exklusiv, aber eben doch in besonders intensiver Weise in der Generation der Jugendlichen ab.

 

Die weitreichenden kulturellen Veränderungen von der Schriftlichkeit zur Bildlichkeit haben erhebliche Konsequenzen für das, was man religious literacy nennen kann, also die Kompetenz, sich mit der biblischen Textüberlieferung kognitiv und argumentativ auseinanderzusetzen.

 

Diese Problematik einer gleichsam gegenwartskulturell forcierten Schriftlichkeitsdistanz verstärkt sich innerhalb der adoleszenten Generation insofern, als externe Orientierungsinstanzen – und damit eben auch als autoritativ erscheinende Textbestände – ohnehin angesichts zunehmenden Autonomie- und Freiheitsbewusstseins schon grundsätzlich eine ambivalente Grösse darstellen.

 

Zudem führt die konzeptionelle Gegenwartsorientierung Jugendlicher dazu, dass schon allein der Hinweis auf ein altes Dokument mit erheblichen Distanzierungsphänomenen rechnen muss, da dieses Dokument – jedenfalls auf den ersten Blick kaum oder gar nicht gegenwartskompatibel ist.

Dazu kommt weiter erschwerend, dass Sozialisationsphänomene, die über Jahrhunderte hinweg wenigstens eine Art Grundvertrauen mit biblischen Inhalten erzeugt haben, in der gegenwärtigen Gesellschaft weitgehend weggebrochen sind. Jugendliche können – so zeigen es die entsprechenden Umfragen – in der Regel weder einzelne Verse noch Personen noch Geschichten eindeutig biblisch verorten. Anspielungen, Metaphern oder Symbole, die auf biblischer Überlieferung beruhen, werden nur noch von einer Minderheit überhaupt identifiziert.

 

Schließlich gehen gerade in der Frage religiöser Kommunikation und Textrezeption die Möglichkeiten junger Menschen je nach Bildungshintergrund extrem auseinander. Es ist vermutlich nicht übertrieben zu sagen, dass sich an der Frage biblischer Überlieferung auch der garstige Graben zwischen unterschiedlichen Bildungsmilieus und auch der Geschlechter auftut und die Beschäftigung mit der Bibel paradoxerweise sogar zur Verschärfung von ohnehin schon bestehenden Exklusionstendenzen führen kann.

 

Was helfen nun die anfänglich markierten jugendtheologischen Grundeinsichten angesichts dieser gegenwärtigen Bibelvergessenheit und Bibeldistanz?

 

 

Phänomene eines praktisch-theologischen „biblical turn“

 

Interessanterweise sind in jüngster Vergangenheit eine Reihe von bibeldidaktischen Grundlagenwerken erschienen – was schon für sich ein interessantes neues Phänomen darstellt. Man kann den Eindruck gewinnen, als ob mindestens in der Theoriedebatte intensiv mit dem Problem der Bibelvergessenheit gerungen wird.

 

Man könnte innerhalb der ganzen Praktischen Theologie vielleicht sogar von einer Art biblical turn – und das ist keinesfalls evangelikal gemeint – sprechen. Die Frage nach der Schrift und ein neuer hermeneutisch orientierter religionspädagogischer Rekurs auf die biblische Überlieferung sind jedenfalls gegenwärtig als stetig deutlichere Perspektiven innerhalb der Disziplin auszumachen

 

Vor wenigen Jahren markierte Helmut Schwier diesen notwendigen und schon stattfindenden Aufmerksamkeitswechsel folgendermaßen: „Die in wissenschaftlicher Auseinandersetzung gebildete hermeneutische Kompetenz ist für Kirche, Schule und Öffentlichkeit notwendig, um die Bibel und ihre Botschaft zu verstehen, sie in säkularen, interreligiösen und ökumenischen Dialogen vertreten zu können und sie als Orientierung, Vergewisserung und Erneuerung mit Einzelnen, in Gruppen, Gemeinden und Kirchen privat und öffentlich zu kommunizieren“[1]. Und der Münsteraner Theologe Christian Grethlein stellte durch sein Forschungsprogramm unter dem Titel der „Kommunikation des Evangeliums“ die biblische Überlieferung und deren Botschaft als entscheidende Bezugsgröße für die Theoriebildung und Praxis heraus.

 

Man kann also davon sprechen, dass es hier zu einer kommunikationstheoretisch neubelebten Orientierung an biblischer Überlieferung und damit zu einem wesentlichen Neuanstoß für eine biblisch-hermeneutische Debatte innerhalb der Praktischen Theologie kommt: Kurz gefasst scheint die Einsicht Platz zu greifen, dass ein Verstehen der biblischen Botschaft und der Austausch darüber ohne die erhebliche Beförderung hermeneutischer Kompetenz in Sachen gelebter Religion schlichtweg auf taube Ohren und blinde Augen stoßen muss.

 

Im Bereich der Religionspädagogik stellt sich dies wie folgt dar – übrigens nachdem ja durch Ingo Baldermann und Horst Klaus Berg das Thema als solches im Lauf der vergangenen Jahre durchaus im Blick geblieben und somit niemals gänzlich verschwunden war – übrigens musste für diese Einsicht offenbar erst wieder ein Neutestamentler neu das werbende Wort ergreifen.

 

Das nun ganz aktuell von Mirjam und Ruben Zimmermann herausgegebene Handbuch der Bibeldidaktik spricht in differenzierter Weise von der Bibel

  1. als Bildungsgegenstand,
  2. als Lehrmedium sowie
  3. als Katalysator umfassenden kognitiven, emotionalen und affirmativen Lernens im Bedingungsfeld von Subjekt, biblischem Gegenstand und Prozess.

Dabei stehen Text, Rezipient und der Lernprozess selbst in denkbar engstem Verhältnis zueinander. Die Rede ist somit zum einen von vielfältigen Sinnperspektiven eines Textes, zum zweiten von komplexen Wirklichkeitskonstruktionen der Rezipientinnen und Rezipienten und zum dritten von einer Vielfalt von Vermittlungs- und Rezeptionsperspektiven, woraus sich ein „facettenreiches Spiel an Sinnmöglichkeiten“ ergebe.

 

Carsten Gennerich spricht jüngst gar von der Bibel als Medium der Identitätsbildung und betont für den jeweiligen Leser deren Potential für individuelle Zielsetzungen, Selbstwert, Kontrolle und Kohärenz. Die Bibel, so könnte man es sagen, kann und soll auch jungen Menschen zu denken und zu tun geben und sie zugleich inmitten ihres eigenen Lebens wirkmächtig orientieren.

 

So scheint es also, als ob Ernst Langes einstmaliger homiletisch gemeinter Aufruf zur „Verständigung mit dem Hörer über die gegenwärtige Relevanz der christlichen Überlieferung“ gegenwärtig zu einer deutlich intensiveren Beschäftigung mit eben jener Überlieferung führen könnte – insofern macht die recht verstandene Rede vom biblical turn durchaus Sinn. Damit ist man aber einstweilen nur einen Schritt weiter, denn als nächstes ist zu fragen:

 

 

Wovon sprechen wir, wenn wir von der Bibel sprechen?

 

Wer sich jugendtheologisch den bibeldidaktischen Herausforderungen annähert, muss tatsächlich zuerst fragen: Wovon sprechen wir, wenn wir von der Bibel sprechen? Sind damit einzelne biblische Geschichten gemeint, ist es das Buch, sind es einzelne Stellen, der Kerngehalt, sollte gar von einer Art Mitte der Schrift gesprochen werden?

 

Hier kommt nun für die Fragestellung, ob Jugendliche die Bibel brauchen, unweigerlich die protestantische Grundkategorie der Schriftgemässheit ins Spiel. Diese, so die reformatorische Pointe, macht den individuellen Zugang zur Schrift zur unbedingten Voraussetzung aller Annäherung an die biblische Tradition. Nun darf nicht zu schnell gefragt werden, wie das gehen soll, denn dies ist ein zugestandenermassen mühevolles Geschäft. Wichtig ist es hier vielmehr, diese reformatorische Grundposition überhaupt erst einmal so ernst wie nur möglich zu nehmen.

 

 

Was kann überhaupt die jugendtheologische Zielsetzung im Blick auf die Beschäftigung mit der Bibel sein?

 

Diese Frage ist keinesfalls belanglos. Denn letztlich müssen sich kirchlich und schulisch Verantwortliche tatsächlich immer fragen, wozu die Thematisierung der biblischen Überlieferung überhaupt dienen soll? Geschieht biblische Bildung um der Bibel, um der Kirche, um der Jugendlichen willen? Hier sei nicht zu rasch formuliert: „Alles drei ist wichtig!“. In konkreten Lernprozessen macht es durchaus einen erheblichen Unterschied, von wo aus geplant und gedacht wird. Und insofern ist in aller Deutlichkeit jugendtheologisch zu fragen: Wer stellt und wer beantwortet eigentlich die Frage, was Jugendliche brauchen?

 

Ob Jugendliche die Bibel brauchen, können jedenfalls nur diese selbst für sich beantworten. Und dafür scheinen mir unter den genannten Elementarisierungsaspekten nun gerade die Perspektiven elementarer Zugänge und Erfahrungen zentral: Erst von dort aus eröffnen sich alle anderen Dimensionen. Kurz gesagt: Erst der elementare Zugang und die Erfahrung mit gelingender theologischer Kommunikation ermöglicht es überhaupt, dass sich ein bestimmter Zentralgehalt und Wahrheitskern des Evangeliums zu erschließen vermag. Erst wenn Jugendliche der Schrift eine Bedeutung für die eigene Identitätsbildung beimessen können, macht die Rede von der Relevanz der Schrift überhaupt Sinn. Überlieferungswürdig ist, was sich in seiner Orientierungskraft als orientierend erweist.

 

Launige Bibelübersetzungen machen es jedenfalls gerade nicht. Es geht darum, dass in der Beschäftigung mit der Bibel ein Freiheitsgewinn erfahrbar wird bzw. die Überlieferung für Jugendliche als lebensdienlich erkennbar wird. Kommunikation des Evangeliums ist nur ertragreich, wenn sie Jugendlichen als plausibel erscheinen kann.

 

Zu dieser Erfahrungsperspektive gehört nun aber noch ein Weiteres: Jugendtheologie hat es mit Vertrauen, das den Subjekten entgegengebracht und mit Zeit, die ihnen geschenkt wird, zu tun. Es geht darum, ihnen dialogisch Vertrauen entgegenzubringen und ihnen Vertrauen zu vermitteln; es geht darum, ihnen Zeit zu geben und ihnen auch Zeit für eigene Artikulationen und Erfahrungen zu lassen.

 

Viele jugendlichen Sozialisations- und Prägungsvorgänge, dies ist offenkundig, erfolgen in der Gegenwart durch enorm kurze und schnelle Taktungen. Somit sind es vor allem die Glaubwürdigkeit der Personen und jeweiligen Gruppe, die dafür zu sorgen vermögen, dass in pädagogischen Prozessen punktuelle Begegnungen eine tatsächlich nachhaltig prägende Bedeutung gewinnen können. Und Nachhaltigkeit wird sich tatsächlich nur dann ergeben, wenn die Erfahrungskontexte, in denen die biblische Botschaft ins Spiel kommt, für Jugendliche als nachhaltig bedeutsam erlebt werden können. Erst von einem solchen qualifizierten Bildungsraum aus kann dann auch so etwas wie Zutrauen und Zumutung entstehen.

 

Kirchliche Praxis als Kommunikationsgeschehen in Hinsicht auf das Evangelium steht vor der Aufgabe, ihre Auslegungspraxis dadurch zu plausibilisieren hat, dass sich das Schrift-Verstehen auf Seiten des jeweiligen Subjekts selbst in seiner Lebensdienlichkeit erweist.

Die Frage der Schriftgemäßheit kann dann im modernen Gewand nur lauten: Das Schriftgemäße erfährt seine Deutung am Maß des Menschengemäßen. Dies bringt dann nicht weniger als die Notwendigkeit einer möglichst hohen Anschaulichkeit mit sich: Die Faszination biblischer Bilderwelten und die Plastizität des Personalen bedarf ganz neuer kreativer und narrativer Zugänge zum Tiefensinn der biblischen Botschaft.

 

Schriftgemäßheit entfaltet sich folglich im wortwörtlichen Sinn durch die Wahrnehmung derjenigen Gesichtspunkte und Bedürfnisse, die vom Jugendlichen selbst her erschlossen und entdeckt werden wollen:

In theologisch-hermeneutischer Hinsicht bringt ein solches Schrift-Verstehen die klare Absage an von außen her gesetzte Eindeutigkeitszuschreibungen mit sich. Text-Arbeit muss von der prinzipiellen Offenheit und Unabschließbarkeit biblischer Überlieferung ausgehen.

In religionspädagogischer Hinsicht gilt, dass gerade unter Massgabe der Freiheit und Mündigkeit des Subjekts jede Form einer gar konversionsorientierten Überwältigungsdidaktik unbedingt zu vermeiden ist. Dies bedeutet, dass die kommunikative Verstehens-Arbeit mit biblischen Texten erheblich zu verstärken ist.

 

In professionstheoretischer Hinsicht gilt dann: Nicht zuletzt aus jugendtheologischen Gründen ist es höchste Zeit für den theologisch profilierten Deuter bzw. die theologisch profilierte Deuterin des religiösen Lebens in seiner ganzen Fülle. Gerade weil das Geschäft der Deutung biblischer Überlieferung schwer fällt, ist es so profiliert wie möglich zu betreiben, was dann auch bereits in der Ausbildung die entsprechenden Angebote erforderlich macht.

 

Im Sinn einer gesellschaftssensiblen und gerechtigkeitsorientierten kirchlichen Bildungspraxis ist auf der Grundlage der Bibel als geronnenem Text und als immer wieder neu zu interpretierendem Inhalt der produktive biblisch-ethische Diskurs mit Jugendlichen unbedingt zu befördern – und dies immer auch im Sinn des Widerspruchs gegen freiheitslimitierende Verhältnisse und Menschenbilder, um so die Lebensdienlichkeit der biblischen Botschaft so deutlich wie möglich öffentlich zu kommunizieren.

 

 

Christologische Konkretion

 

Es mag nun eigenartig erscheinen, dass im Blick auf die christologische Konzentration nach all den Überlegungen zur Kommunikation mit Jugendlichen mit einem ganz anderen Medium bzw. mit zwei anderen Medien eingesetzt wird: zum einen mit Musik, zum anderen mit einem Bild. Und doch sei daran erinnert, dass sowohl die musikalische wie die künstlerische Ausdrucksform in sich selbst natürlich Textgestalt trägt.

 

Ich setze mit einem für mich eindrücklichen aktuellen musikalischen Beispiel für das ein, worin für mich nun ein zentraler theologischer Kern aller Kommunikation mit Jugendlichen besteht. Bevor ich dies nun allerdings gleich vorführe, seien einige ebenfalls aktuelle Gedanken geäußert: alle Überlegungen zur Jugendtheologie können nicht unter Absehung der äußeren gesellschaftlichen und ganz aktuellen Entwicklungen vorgenommen werden. Die Ereignisse der letzten Monate, Wochen und auch der letzten Tage fließen immer fast unmittelbar auch in die theologische Reflexion ein. Die Beobachtung dessen, wohin sich die Welt im globalen Maßstab entwickelt, kann auch die Jugendtheologie und kann auch unsere eigene theologische Existenz keinesfalls unberührt und unverändert lassen.

 

Aber wie gehen wir mit den bedrückenden und ja fraglos auch angstmachenden Entwicklungen der Gegenwart gerade als Theologen und Theologinnen um? Wie beeinflussen sie unser theologisches Denken, unseren Glauben, vielleicht auch unsere Hoffnung?

 

Es wäre jedenfalls so ignorant wie unverantwortlich, wenn wir Theologie unter Absehung dessen betreiben würden, was das Leben vieler Menschen und damit auch unser Leben tagtäglich bestimmt, bisherige Sicherheiten infrage stellt, wenn nicht sogar erschüttert und jedenfalls von unserer Seite aus handelnde Antworten und antwortendes Handeln unbedingt erforderlich macht.

 

Was trägt also gegen allen Augenschein die eigene theologische Existenz, was vermittelt Hoffnung und was lässt uns überhaupt einen guten Ausgang aller dramatischen und dilemmatischen Situationen erhoffen?

 

Ich kann an dieser Stelle und nach all den abwägenden und wissenschaftlich ausgerichteten Überlegungen zur Jugendtheologie an dieser Stelle selbst nur höchst persönlich antworten: und in dem ich dies tue, wird hoffentlich der leise Vorwurf wenigstens ein wenig entkräftet werden, dass jugendtheologische Arbeit doch nichts anderes als nur eine neue Methode sei.

Nein, das Gegenteil ist der Fall: nur von – und nun wage ich den Begriff – „festen“ theologischen Überzeugungen her ist überhaupt alle pädagogische und methodische Arbeit denkbar und gerechtfertigt.

 

So will ich tatsächlich in diesem Sinne und hier bekennen, dass mich persönlich eigentlich in diesen dramatischen Zeiten nur hält, und die sage ich bewusst kurz vor Weihnachten, dass die Botschaft des Evangeliums eben immer schon auf den leidenden Christus selbst verweist. Für mich jedenfalls ist schon die Weihnachtsbotschaft von der Tatsache der existenziellen Gefährdung dieses einen Menschen und aller Menschen durchzogen. Das durch den Engel ausgesprochene „Fürchtet euch nicht“ macht deutlich, dass bereits dieser Lebensanfang in einer höchst ungesicherten Welt stattfindet. Und streng genommen deutet sich bereits in der Überlieferung der Krippe und des Stalls die unendliche menschliche Sehnsucht nach Sicherheit, Geborgenheit und Frieden an. Oder um es noch einmal anders zu formulieren: das angekündigte helle Licht muss von Beginn an gegen die dunklen Mächte und Ängste kämpfen, ohne dass schon klar ist, ob nicht am Ende doch ein großes Scheitern und neue Dunkelheit stehen, ob also nach dem Kreuz des Karfreitags wirklich ganz sicher mit dem österlichen Licht der Auferstehung zu rechnen ist. Jugendtheologie hat es also in einer christologischen Perspektive von Beginn an mit dieser Spannung aus Friedensverheißung und Todesgewalt zu tun.  

….

Diese christologische Konzentration kann auch die jugendtheologische Kommunikation vor Weihnachten und nach Weihnachten bestimmen. Die Anschauung des mitmenschlichen Antlitzes Jesu und die gemeinsame Ergründung des Tiefensinns dieser biblischen Überlieferung lässt dann die Jugendtheologie zu einer mitmenschlichen, mitleidenden, solidarischen und prophetischen Bildungspraxis werden.

 

 

Bernhard Bürgler - Handout

Jesus Christus begegnen

 

Maria aber stand draußen bei der Gruft und weinte. Als sie nun weinte, beugte sie sich vornüber in die Gruft und sieht zwei Engel in weißen (Kleidern) dasitzen, einen bei dem Haupt und einen bei den Füßen, wo der Leib Jesu gelegen hatte. Und jene sagen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Weil sie meinen Herrn weggenommen und ich nicht weiß, wo sie ihn hingelegt haben. Als sie dies gesagt hatte, wandte sie sich zurück und sieht Jesus dastehen; und sie wusste nicht, dass es Jesus war. Jesus spricht zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie, in der Meinung, es sei der Gärtner, spricht zu ihm: Herr, wenn du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast! Und ich werde ihn wegholen. Jesus spricht zu ihr: Maria! Sie wendet sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni! – das heißt Lehrer. Jesus spricht zu ihr: rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott! Maria Magdalena kommt und verkündet den Jüngern, dass sie den Herrn gesehen und er dies zu ihr gesagt habe.

 

(Joh 20,11-18 - Elberfelder Studienbibel)

Georg Sporschill - Handout

Judas, der schwierige Freund

Warum Jesus ihn auserwählt hat

 

Was wollte Jesus mit dieser Wahl? Die Antwort gibt das Evangelium, bevor der Name des Judas genannt wird: „der ihn übergeben wird.“ (Joh 6,64) Gott braucht Judas im Erlösungswerk

seines Sohnes. Es ist eine schwierige Freundschaft. Nicht Judas ist schwierig, sondern der Weg, den er mit Jesus geht.

 

 

Drei Zauberworte für die Jugend

 

Erstens: Ich brauche dich.

 

Wen braucht Jesus? Er braucht den Mann mit dem Namen Juda. Juda ist der Stamm, den Gott erwählt, Licht für die Welt zu sein. Der Stamm Juda überlebt das Exil. Die Führungskräfte Israels stammen aus Juda. Jakob segnet seine zwölf Söhne, über Juda sagt er: „Ein junger Löwe ist Juda ... Nie weicht von Juda das Zepter, der Herrscherstab ... bis der kommt, dem der Gehorsam der Völker gebührt.“ (Gen 49,9f)

 

Der Name Juda bedeutet Dank. Dank für Erwählung und Rettung. Das wirft ein Licht auf das Selbstbewusstsein von Juda(s) Iskariot (Warum geben AT und NT den Namen unterschiedlich

wieder?). Der Dank nimmt die Angst, den Reichtum zu verlieren, er macht selbstbewusst und drängt dazu, das Empfangene weiterzugeben. In diesem Dank gegenüber Gott sind Judas und Jesus einander nahe, auch in ihrem Mitfühlen mit den Völkern, die im Dunklen sind.

Beide glauben an den Plan Gottes, unter den Heiden ein neues Licht anzuzünden, eine neue

Erwählung zu gründen, einen neuen Bund zu stiften.

 

Der Messias erwählt für seine Aufgabe den jungen Mann namens Judas Iskariot. Er hat Mut und glaubt mehr als alle anderen an das Neue. Jesus sagt ihm das Zauberwort für die Jugend:

Ich brauche dich.

Auf wen bin ich angewiesen? Welche Begabungen braucht unser Werk? Welche Charaktere sind für die Führung der Kirche heute verlangt?

 

 

Zweitens: Du kannst es.

 

Wie lehrt Jesus? Er entdeckt die Fähigkeiten seiner Schüler und entwickelt sie, indem er mit ihnen zusammenlebt. Er vertraut Judas wichtige Aufgaben an, er nützt das wirtschaftliche Talent und die politischen Beziehungen des „Mannes aus der Stadt Keriot“ (Iskariot). Judas

gehört zum intimsten Kreis, wie die Salbung in Betanien zeigt. Jesus zieht ihn hinein in das göttliche Geheimnis des Leidenmüssens und der Hingabe in den Tod.

 

So wird Judas für Jesus nicht nur Freund, sondern Mitkämpfer in der messianischen Mission. Jesus hat von Anfang an Judas zugesagt, er werde ihn „übergeben“. Bis jetzt hieß es in unserer

Bibel, er werde ihn „verraten“. Dieses Wort ist in der neuen Einheitsübersetzung (Dezember 2016) mit „ausliefern“ wiedergegeben. Was bedeutet diese radikale Veränderung? Was hat Judas getan – verraten, ausgeliefert oder übergeben? „Der Fall Judas“ (Walter Jens, 1975) wird neu aufgerollt.

 

Die Berührung mit der Not packt Judas und führt ihn in seine Lebensaufgabe. Arbeiten, helfen und beten hat er von Jesus gelernt. Im Tun besiegt er die Hoffnungslosigkeit und die Angst

zu versagen. Jesus lässt ihn die Zusage spüren: Du kannst es.

Wen bilden wir aus? Wer lebt mit mir? Wem trauen wir schwere Aufgaben zu? Wen ermutigen wir,

seinen Weg zu gehen?

 

 

Drittens: Ich liebe dich.

 

Was bedeutet „Sohn des Verderbens“? (Joh 17,12). Judas wird überfordert. Es ist die Überforderung durch den Satan, das schwere Schicksal, den harten Weg, den Kreuzweg, das Scheitern eigener Vorstellungen. Alles sind Themen der Sozialarbeit. Wir werden in die Not hineingezogen, unabhängig davon, ob wir sie lösen können oder nicht. „Erfolg ist kein Name Gottes.“ (Martin Buber) Hier geht es um die Hingabe und das Vertrauen auf Gott, der unseren Verstand und unser Herz überfordern mag.

 

Auf dem Weg der Liebe ist Judas nicht allein. Jesus schenkt ihm bis zuletzt die Nähe. Im Abendmahlssaal teilt Jesus mit dem Freund den Bissen und ermutigt ihn zu seiner Tat. „Was du tust, tue schnell!“ (Joh 13,27) Judas übergibt Jesus den Heiden. Sie gehen gemeinsam in den Bereich der Unreinheit, in das Prätorium, zu den Völkern.

 

Judas geht Jesus voraus in den Tod. Mit den dreißig Silberlingen wird der Töpferacker gekauft. Er wird Begräbnisstätte für die Fremden in Jerusalem, für Arme, Unbekannte und Selbstmörder.

Ein neuer Platz in der Welt für Gottes Barmherzigkeit. In der Überforderung hat Judas Anteil am messianischen Projekt, den Heiden in der Stadt Gottes Raum zu geben. Jesus steht bis in

den Tod zu seinem Wort an Judas: Ich liebe dich.

In der Überforderung können wir verzweifeln oder Liebe lernen. Wer ist überfordert? Wo bin ich

überfordert?

 

 

Judas, Freund auch in Schwierigkeiten

 

Gott hat Judas begabt und stark wie einen Löwen gemacht. Sein Name bedeutet Dank. Er sieht, was er hat und kann. Er will weitergeben, was er empfangen hat. Judas glaubt an Jesus, den Messias (Amos Oz, Judas, 2015), und beteiligt sich mit all seinen

Fähigkeiten am Projekt, eine neue Erwählung zu stiften, einen neuen Bund.

Judas übernimmt Verantwortung. Er geht mit Jesus den Weg in Freundschaft, auch und gerade dann, wenn es schwierig wird. Er teilt die Lebensaufgabe des Messias bis in die Hingabe. Mit

seinem Leben verschafft er im Sinne seines Meisters den Entrechteten Gerechtigkeit, gibt den Verlorenen Heimat.

 

 

 

weitere Eindrücke

 

  

Kathpress 12.1.2017

 

Kathpress 13.1.2017

 

Kathpress 15.1.2017

 

Workshop: Wunder Jesu und deren Vermittlung heute

 

Workshop Berufungspastoral

 

Workshop: Jesus für Frauen und Männer

 

Workshop: Jesus für Anfänger

 

Workshop: Pastorale Planung

 

Workshop: Lebensstil / Haltungen Jesu

 

Workshop: Jesus, der Jude

 

 

 

 

Pastoral heißt:

 

Dasein mit den Menschen

im Geist des Evangeliums

 

Amoris laetitia

Nachsynodales Schreiben über die Liebe in der Familie

Link zum Dokument 

 

Asyl - Flucht - Integration

Hinweise und Links aus pastoraler Perspektive                    

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Katechumenat

Erwachsene entdecken den Glauben und wollen sich in einem "Katechumenat" auf die Taufe vorbereiten.

 

 

 

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