6. "Spiritualität auf dem Weg. Gemeinde auf Zeit im Unterwegssein"

 

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Experiment:

Die Diözese Gurk-Klagenfurt errichtet am an Volksfrömmigkeit und geschichtlich reichen Hemmaberg/Globasnitz einen "Weg der Besinnung"

Der Hemmaberg ist bewaldet, vorne steil abfallend, eine Grotte mit einer ständig fließenden Quelle knapp unterhalb der höchsten Erhebung prägt den Berg. Ausgrabungen bezeugen, dass bereits heidnische Gottheiten verehrt wurden, dass verschiedene Kirchen im Laufe der Geschichte auch gleichzeitig Kirchen gebaut und offenbar ein religiöses Zentrum errichtet haben. Für viele ist die Quelle, der eine heilende Wirkung zugesprochen wird, das Ziel ihrer Wallfahrt. Für andere die heilige Rosalia in der Grotte als eine Heilige, die für die richtige Partner/infindung zuständig ist. Die jetzige Kirche bezeugt mit ihren Darstellungen die Geschichte des Wallfahrtsortes der letzten fünf Jahrhun­derte.

Das Seelsorgeamt und die Katholische Aktion Kärntens beschlossen, in dieses Umfeld den Besinnungsweg "Ad fontes - Quellen suchen - k izvorom" als Deutung der verschiedenen religiösen Erfahrungen auf diesem Berg zu in­stallieren. Der Künstler Valentin Oman entwarf neun gleiche Marmorblöcke mit biblischen Zitaten, die sich in das Umfeld einpassen und es auch deuten. So steht z.B. bei der Quelle: "Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude aus den Quellen des Heils" (Jes 12,3) oder bei den Ausgrabungen: "Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen" (1 Petr 2,5). Eine Pro­jektgruppe, die in der Katholischen Aktion Unterstützung findet, bietet an, den Weg der Besinnung mit Begleitung und Führung zu gehen. Dieser Gruppe ist es wichtig, dass der Berg als Ort der Stille, der Ruhe und der Gottesbegeg­nung und -erfahrung erhalten bleibt.

Das Referat Spiritualität hat noch zusätzlich einen Meditationspfad als Seiten­weg errichtet. Sechs Stationen regen die Besucher/innen, die in Stille diesen Weg gehen sollen, an, durch spirituelle Texte, die von Zeit zu Zeit inhaltlich verändert werden, das Leben zu bedenken.

 

Gemeindebilder, die dieses Experiment Besinnungsweg prägen:

Es handelt sich hier natürlich nicht um eine Gemeinde in ihrer klassischen Form. Sichtbar wurde in der Darstellung, dass sich die Gruppe, die sich dieses Projektes annimmt, sehr wohl eine Art Kerngemeinde ist. Diesen Personen dürfte wichtig sein, was in der Präsentation und im eigenen Gehen des Besin­nungsweges zum Ausdruck kam.

Es können Menschen aus sehr unterschiedlichen Milieus mit ihrer je eigenen Geschwindigkeit absichtslos auf der Suche nach religiöser Erfahrung und auch Heilung den Weg gehen. Durch die Reduzierung auf wesentliche Bot­schaften wird die Reflexion des eigenen Lebens in besonderer Weise ange­stoßen. Menschen können durch die eigene Erfahrung berührt werden, neues entdecken, auch überrascht werden. Entscheidend ist die freie Zugangsmög­lichkeit zum Weg, für den ich mich jederzeit entschließen kann. Die Weger­fah­rung ist eine Alternative zur tendenziell üblichen Leistungsanforderung in der territorialen Pfarrgemeinde. Das Beschenktwerden steht im Vordergrund. Die Schöpfungsfrömmigkeit findet ihren Ort. Auffallend ist auch, dass an diesem Berg nur heilige Frauen verehrt werden.

 

Chancen, die in diesem Experiment Weg der Besinnung stecken:

Die Errichtung des Besinnungsweges ermöglicht eine Deutung aus der christ­lichen Glaubensgeschichte heraus. Die Art, wie sie bei diesem Weg geboten wird, zwingt die Deutung dem Pilger nicht auf. Sie stellt ein Angebot dar. Dieser Vermittlungsversuch zwischen Alltagserfahrung und Transzendenz ist offen gehalten. Sie ermöglicht dadurch erneut religiöse Erfahrung. Somit kann durch die Deutung ein neuer Raum für Gotteserfahrung eröffnet werden. Der heilige Ort wird so auch ausdrücklich zu einer "Tankstelle" für den Glauben. Es wird die einzelne Person in ihrem individuellen Weg der Sinn- und Glaubens­suche gestärkt. Das Projekt lässt somit individualisiertes Christentum bei aller Notwendigkeit einer Gemeinschaftsbezogenheit wieder entdecken.

 

Fragen, die sich im Rahmen des Experiments
Besinnungsweg stellen können:

Zunächst war die Frage, wie die Pfarre in dieses Projekt eingebunden, bzw. wie dieses Projekt in die Pfarre integriert werden kann. Aber ist nicht zu hinterfragen, ob eine Integration überhaupt notwendig ist. Wie nehmen wir neue Zu-Wege zu Gott in der Kirche wahr? Deutlich wurde, dass sich die Per­sonen, die sich im Rahmen des Projektes engagieren, Wertschätzung und eine Wahrnehmung ihres Einsatzes wünschen. Hilfreich kann die Frage sein: Welche Lernprozesse können für die Pfarre durch die Erfahrung im Rahmen des Besinnungsweges angestiftet werden?

Gefragt wurde auch, was das spezifisch Christliche im Rahmen eines solchen Projektes ist. Wie kann dieses Spezifikum eingebracht werden?

 

Was die Kirche Österreichs von diesem Experiment Besinnungsweg am Hemmaberg lernen kann:

Heilige Orte und Wege erwachsen durch eine lange Geschichte. Die Geschichten verschiedenster Art müssen wahrgenommen und wertgeschätzt werden, wie hier z.B. die Errettungsgeschichte durch die hl. Rosalia. Die mys­tische Qualität eines Ortes kann nicht einfach hergestellt werden. Orte können ausgehend von der Volksfrömmigkeit gedeutet, neu entdeckt und erschlossen werden. Kirche hat im Umgang mit Volksfrömmigkeit gestalteri­sche Kraft, indem sie den besonderen Orten auch eine christliche Deutung anbietet.Es braucht religiöse Erfahrungsräume, die frei zugänglich sind. Die Pflege solcher Räume soll geschätzt werden, sie sollen in ihrer Ergänzung zum Erfahrungsraum Pfarrgemeinde gesehen werden. Solche Knotenpunkte sollen wahrgenommen und gefördert werden. Man kann vertrauen, dass Menschen im Glauben getragen sind, wenn sie Bezug zu mehreren solchen Knoten­punkten haben.

In der Reflexion dieses Projektes zeigte sich wiederum, dass es notwendig ist, ein Projekt in seinem konkreten Kontext kennen zu lernen, um es einiger­maßen einer angemessenen Bewertung zu unterziehen.

 

 

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