1. "Leitung im Seelsorgeteam.
Die vier Grundaufträge im Blick"

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Experiment:

Die Pfarre Pergkirchen, Diözese Linz, wird von einem ehrenamtlichen Team gemeinsam mit dem zuständigen Priester in Kooperation mit dem Pfarrgemeinderat geleitet.

Die Pfarre Pergkirchen, geprägt durch starken Zuzug und durch ein gut struk­turiertes Vereinsleben wird seit zwei Jahren von einem vom Bischof beauf­tragten Seelsorgeteam geleitet. Die Mitglieder des Seelsorgeteams wurden unter Absprache und unter Begleitung der Abteilung Pfarrgemeinde und Spiritualität, vertreten durch Josef Weichselbaumer, ausgewählt. Sie absol­vierten eine von der Diözese ausdrücklich angebotene Ausbildung und wurden in der Pfarrgemeinde öffentlich im Rahmen eines Gottesdienstes ein­gesetzt und sind nun für fünf Jahre für die Sorge um die vier Grundaufträge bestellt, dabei dem Pfarrgemeinderat gegenüber verantwortlich. Die priester­lichen Dienste werden zurzeit durch einen Doktoratsstudenten aus Schwarz­afrika geleistet. Die Präsentation des Experiments lässt das gute Klima innerhalb des Seelsorgeteams und mit dem Pfarrgemeinderat erspüren. Die Team­mitglieder schwärmen von der guten Zusammenarbeit im Team, von der Akzeptanz in der Bevölkerung und von der gegenseitigen Wertschätzung trotz des großen Aufwandes durch die vielen Sitzungen und trotz ihrer Sorge um ihre spirituelle Grundlage für ihr Engagement. Die Abwesenheit des zustän­di­gen Priesters signalisiert seine mangelnde Integration, die vom Team und vom Pfarrgemeinderat bedauert wird.

 

Gemeindebilder, die dieses Experiment Seelsorgeteam in Pergkirchen prägen:

In der Selbstdarstellung wählte das Seelsorgeteam einen Baum, dessen Früchte früher durch den Pfarrgemeinderat, den Priester und die geistliche Schwester gewachsen sind. Der Priester sorgte für die Spiritualität als Grund­wasser für alle Mitarbeiter/innen. Durch die Strukturierung der verschiedenen Aufgaben in die vier Grundaufträge ist jetzt der Baum bunter, es wird viel Energie in die Aufrechterhaltung des blühenden Pfarrlebens gesteckt. Die Ab­wesenheit des Priesters, der gleichsam mit der Gießkanne für die Spiritualität als Grundwasser sorgen soll, wird beklagt. Das Zukunftsbild zeigt auf, dass trotz der sehr guten Strukturierung der Pfarre in die vier Grundaufträge und Fachausschüsse die Sorge um die Spiritualität als Quelle für das Engagement sehr groß ist. Das Seelsorgeteam fragt: Wenn kein Priester mehr am Ort ist, wer soll dann mit der Gießkanne für das nötige Grundwasser sorgen?

 

Chancen, die in diesem Experiment Leitung im Seelsorgeteam stecken:

  • Es war faszinierend zu erleben, welche Energie in diesem Engagement der Ehrenamtlichen als Team spürbar wurde und wie sie ihre Aufgaben als konkrete Berufung leben, die sie in der Entwicklung dieses Modells entdeckt haben. Weil sie nicht alles im Blick haben müssen, sind ein­zelne Teammitglieder nicht so leicht überfordert. Durch die Orientierung der Grundaufträge ist aber trotzdem das ganze Aufgabenfeld der Pastoral im Blick.
  • Ehrenamtliche Mitarbeiter/innen eignen sich in der Ausbildung und in der Praxis große Kompetenz an. Für Hauptamtliche entstehen neue Arbeitsfelder in der Begleitung der Seelsorgeteams. Priester sind her­ausgefordert, ihre Rolle innerhalb dieses Modells zu entwickeln. Für sie ist es wichtig, das Team zu stützen, spirituelle Impulse zu geben, theo­logische Fragestellungen einzubringen und die Bevölkerung der Pfarre aufzuklären.

  • Durch die Verschiedenheit der Personen im Team gibt es für die Leute mehrere Andockmöglichkeiten. Die Chance, einen vielfältigen Zugang zur Pfarre zu ermöglichen, wird größer.

 

Fragen, die sich im Rahmen des Experiments
Seelsorgeteam stellen können:

Da es mehrere Rollen der Leitungsdienste: den Priester, den Pfarrgemeinde­ratsobmann/die Pfarrgemeinderatsobfrau und den Koinonia-Verantwortlichen gibt, stellt sich die Frage, wie sich das Zueinander der Leitungsanteile gut klären lässt. Muss nicht für die Abstimmung der verschiedenen Leitungs­dienste zu viel an Energie aufgewendet werden, wenn die Harmonie nicht ge­geben ist so wie in diesem Beispiel Pergkirchen? Wird das ganze Regel­werk nicht zu kompliziert und dadurch nicht mehr überschaubar und hand­habbar? Interessant war es auch zu erleben, wer das Team leitet trotz aller Beteue­rung, dass alle gleich sind.

In diesem Modell hat Josef Weichselbaumer die Funktion des Entwicklers und Begleiters in der Anfangsphase. Wer wird aber dieses Experiment in Zukunft begleiten? Wie wird Begleitung seitens der Diözese sichergestellt? Sind auch die finanziellen Mittel dafür vorgesehen? Wer ist Anwalt des Seelsorgeteams im Konfliktfall?

Auch in diesem Modell stellt sich die Frage, wie die Sakramentalität gesichert werden kann, wie sich der Priester optimal in die Pfarre und in das Seel­sorgeteam einbringen kann. In diesem Fall will das Team den Priester in ihr Team integrieren. Zu fragen bleibt aber trotzdem: Wie kann das Selbst­bewusstsein der Gemeindemitglieder bezüglich ihrer eigenen Spiritualität gestützt und gefördert werden?

 

Was die Kirche Österreichs von diesem Experiment Leitung im Seel­sorgeteam lernen kann:

  • Damit das Experiment gelingen kann, braucht es seitens der Diözesan­leitung die Grundsatzentscheidung, dass Leitung in gemeinsamer Ver­antwortung wahrgenommen werden kann. Ausgehend von dieser Ent­scheidung müssen möglichst klare Rahmenbedingungen entwickelt werden, die in Folge klare Absprachen in der Pfarre ermöglichen. Eine offizielle, diözesane Genehmigung und Verankerung stützt die Mitar­beiterInnen vor Ort, weil sie vor allem Wertschätzung bedeutet.
  • Die Begleitung kann durch den Ausbau der mittleren Leitungs- und Be­gleitungsebene eher sichergestellt werden. Aufgaben für die Funktion des/der Dekanatsassistenten/-in können entstehen.
  • Eine qualitätsvolle Vorbereitung in der Pfarre ist hilfreich. Es braucht also zur Ergänzung der diözesanen Grundentscheidung auch den Be­schluss des Pfarrgemeinderates mit dem zuständigen Priester, sich auf dieses Modell der Leitung einzulassen.
  • Das Leitungsmodell sichert das Bestehen der Pfarrgemeinde in ihrer Selbständigkeit über die Sicherstellung des Gottesdienstes hinaus. Indem alle vier Grundaufträge im Blick sind, wird einer pastoralen Ein­seitigkeit vorgebeugt.

 

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