11. "Zum Fest wird es eng oder kreativ" |
Pastoral und liturgisch verantwortbarer Umgang mit der Feier von Hochfesten in größeren Seelsorgeeinheiten. Experiment:Das Experiment: Der Seelsorgeraum Zwischentoren bestehend aus den Pfarren Berwang, Bichlbach, Heiterwang und Namlos feiert die Hochfeste auch mit Wortgottesdiensten. Im Pastoralteam des Seelsorgeraums Zwischentoren wurde entschieden, dass für die Weihnachtszeit keine Aushilfe geholt wird, aber trotzdem in allen Pfarrgemeinden die Mette gefeiert werden soll. So feiert der Pfarrer die Mette um 22.00 Uhr und um 24.00 Uhr und in den beiden anderen Pfarren wird eine Wortgottesfeier von den WortgottesdienstleiterInnen der Pfarren unter der Begleitung des „Pastoralassistenten im Seelsorgeraum“ Paul Mascher gehalten. Am Christtag wird in den jeweils anderen Gemeinden Eucharistie gefeiert. Am Stefanitag gibt es nur in einer Kirche eine Eucharistiefeier. Die Wortgottesfeier in der hl. Nacht hat eine spezifische Form: ein besonderes Kennzeichen ist das Hineinlegen des Weihrauchs vor der Krippe im Rahmen einer Prozession, wo sich alle selbstverständlich beteiligt haben. Der Druck für die Durchführenden ist erheblich durch den Anspruch einen gleichwertigen Gottesdienst zu feiern, in dem das Fest auch originär zum Ausdruck kommen soll. Die Wortgottesdienst-LeiterInnen versuchen durch eine starke Präsenz eine große Dichte in die Feier zu bringen. Paul Mascher erzählt, wie in der Kirche einige Wochen vor Weihnachten eine Frau zum Weinen beginnt, als er im Gottesdienst mitgeteilt hat, dass die Mette auch eine Wortgottesfeier sein wird. Sein Anspruch war nun, dass diese Frau auch durch die Wortgottesfeier so angerührt wird, dass sie wiederum weinen muss. Es wird wahrgenommen, mit welchem Mut und mit welcher Bereitschaft sich die WortgottesdienstleiterInnen auf die Situation einlassen, wie sie in einem behutsamen Miteinander ihren lebendigen Glauben zum Ausdruck bringen.Das Leitbild von Gemeinde, das hinter dieser Lösung steht:Vorgegeben ist in diesen Pfarrgemeinden noch ein starkes Ineinander von Pfarre und Dorf. Die Gemeinde definiert sich über den Ort des Zusammenlebens. Die Zugehörigkeit ist durch den Wohnort vorgegeben. Bei den Touristen, die Gottesdienste mitfeiern, ist eine bewusste Entscheidung anzunehmen, sie prägen die Feiergemeinde der Gottesdienste, werden als Fremde aber nicht nur geschätzt, trotz des Bemühens, eine gastfreundliche Gemeinde zu sein. Grundsätzlich ist den einzelnen Pfarren wichtig, an ihrer Eigenständigkeit festzuhalten. Das gibt Kräfte frei und fördert den Zusammenhalt. Die Laien bringen sich inhaltlich in die Pfarrgemeinde ein. Der Priester befindet sich in gewisser Weise außerhalb des Rahmens der Pfarrgemeinde. Laien können so auch als SeelsorgerInnen erfahren werden. Eine Kerngruppe befasst sich mit dem jeweiligen Festgeheimnis. Sie feiert den Glauben. Die Gefahr ist die Gottesdienstzentriertheit der Pfarrgemeinde. Es könnte von einer vorsichtigen Entwicklung anhand von volkskirchlichen Strukturen gesprochen werden. In der Diskussion wird deutlich, dass die anwesenden WortgottesdienstleiterInnen das Leben der Kerngruppe mit Christus in der Mitte sichern wollen. Die Konfrontation mit einem zentralistischen Pfarrverbandsmodell löst Befremden und Widerstand aus.
Chancen, die in dieser Lösung stecken:
Fragen, die sich stellen können:
Was Österreichs Kirche von diesem Modell lernen kann:
Zur Feier des Gründonnerstags:Wie soll der Gründonnerstag gefeiert werden, in der Annahme, dass zwei Priester für sechs Pfarrgemeinden zur Verfügung stehen? Im Vorhinein ist zu bedenken: Welche Traditionen gibt es bei uns? Bei welchen Gelegenheiten können wir gut miteinander feiern? Es soll gemeinsames gesucht und gesammelt werden. Es soll klar sein, wer entscheidet und dadurch hinter der entwickelten Lösung steht. Die Verteilungsgerechtigkeit der Priester ist zu beachten. In Zwischentoren würde es das Seelsorgeraumteam entscheiden. Im Zuge der Vorbereitung ist zunächst eine gute inhaltliche Auseinandersetzung wichtig: Was feiern wir? – die Fußwaschung und die Einsetzung der Eucharistie. Entschieden muss werden, ob die Priester am Gründonnerstag zwei Mal feiern oder nur ein Mal. Eine Wortgottesfeier ohne Kommunion ist gerade am Gründonnerstag nicht vorstellbar. Daher soll darauf geachtet werden, dass die Kommunion von der Eucharistiefeier zu den Wortgottesfeiern gebracht wird, d.h. die Feiern müssen zeitlich angemessen angesetzt sein. Bei der Wortgottesfeier soll die Fußwaschung den Akzent bilden. Die Symbole Krug, Schüssel und Leinentuch könnten eine Rolle spielen, auch wenn die Fußwaschung nicht durchgeführt wird. Eine Handreichung für WortgottesdienstleiterInnen kann hilfreich sein, vor allem, wenn die Eucharistiefeier relativ kurzfristig nicht gefeiert werden kann. Auf die Einheit des Triduums soll geachtet werden. Eine zukünftige Möglichkeit kann es auch sein, dass zwei Gemeinden jeweils zusammen Eucharistie feiern.
Juni 2008 Sebastian Schneider
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